Gemeindepädagogin Petra Tebrün entdeckt im Rahmen der Reihe „Natur und Spaziergang“ diesmal mit rund 30 Interessierten die Gemeinde Nieder-Saulheim. Ausgangspunkt der Erkundungstour ist die Ev. Kirche, wo Horst Schumacher, ehemaliger Kirchenvorsteher, die Gruppe in Empfang nimmt.
Der imposante Bau im Stil der Neugotik entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Einst dunkel gehalten, strahlt die Kirche seit der letzten Renovierung vor einigen Jahren heute hell und licht. Bei Sonnenlicht erstrahlt die Kirche in besonderem Glanz und der Gast vermag wunderbare Einblicke und Atmosphären wahrzunehmen. Sechs Stahlsäulen mit vergoldeten Kapitellen tragen das schwere, mit Weinranken verzierte, Holzgewölbe. Der Blick wandert unwillkürlich nach oben. Im Chorraum befinden sich wunderschöne Chorfenster. Sie zeigen links Szenen aus dem Alten Testament. Das mittlere Chorfenster würdigt den Bund Gottes mit den Menschen und Jesus Christus. Rechts erzählen die bunten Gläser von Jesus Wirken bis zur Auferstehung. Die Fenster der Seitenschiffe erinnern an die Reformation. So sehen wir links Martin Luther und rechts Philipp Melanchthon.
Direkt neben der Ev. Kirche befindet sich das Rathaus. Der ehemalige Bürgermeister Martin Fölix führt die Teilnehmenden kurzweilig und lebendig durch das Rathaus und den inneren Kern des Dorfes. Vorbei an der neugotischen Kath. Kirche ziehen wir zum ältesten Haus Nieder-Saulheims. Eine Urkunde aus dem Jahr 1354 belegt seine ehemalige Zugehörigkeit zum Kloster Eberbach. Zwei unterirdische Gänge führten einst zu einer Burg. Im 18. Jahrhundert war das „Alte Haus“ im Besitz der Familie von Walbrunn; heute ist es im Privatbesitz und fachkundig renoviert.
Vorbei an der ehemaligen Bäckerei geht es nun zur Weedenpforte. Dort befand sich im 15. Jahrhundert das Südtor Nieder-Saulheims. Ein Holzsteg führte über den Mühlbach, wo das Vieh getränkt wurde. In der Nähe befindet sich das ehemalige Dienheimer Schloss Die Größe des Schlossgutes lässt sich heute noch erahnen, das Anwesen zog sich über mehrere Straßen. Um 1800 ging das Herrenhaus in den Besitz von Johann Neeb über, der 38 Jahre lang Bürgermeister von Nieder-Saulheim war.
Der Rundgang führt die Gruppe zur nächsten Station: Das Katholische Pfarrhaus ist ein spätbarocker Bau aus dem 17. Jahrhundert mit Krüppelwalmdach. Eine Barockmadonna ziert das Gebäude seit dem 18. Jahrhundert. Nach der Kirchenteilung wurde das Gebäude zunächst als Lutherisches Pfarrhaus genutzt und später den Katholiken zugesprochen. 1697 gehörte es zum Stift zum Heiligen Kreuz zu Mainz.
Im Weingut Dechent gibt es anschließend Überraschendes zu entdecken: Im Keller des Hauses befindet sich ein Einstieg zur ehemaligen Mikwe. Auch das wunderschöne Fachwerk der Außenfassade zeugt von der einstigen Synagoge; Juden waren gut in die Gemeinde integriert.
Über das Alte Amtshaus (1584) geht der Rundgang weiter zum heutigen Saulheimer Heimatmuseum. Ein Renaissancegiebel ziert das Haus, das einst als Schulhaus diente. Hier endet der Spaziergang durch die Nachbarschaft. Es gäbe noch viel zu entdecken, längst hat die Besuchergruppe nicht alles Gemeinde, die seit Januar 2025 offiziell Teil des Ev. Dekanats Alzey-Wöllstein ist, gesehen. Ein herzlicher Dank geht an Horst Schumacher und Martin Fölix für die kompetenten und kurzweiligen Erläuterungen zu ihrem Heimatort.