AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Puls in Balance bringen

Annette Stegmann (Evangelische Kirchengemeinden Albig und Heimersheim) für die christlichen Kirchen in Alzey-Wöllstein und Umgebung

Adobe Spark

Endlich wieder anderen Menschen begegnen, den Vertrauten ebenso wie den Fremden, hier und anderswo. Das lässt mich aufatmen! Schließlich habe ich in der jüngsten Vergangenheit lernen müssen, mich in einem festgelegten Umfeld zu bewegen. Der Rahmen ist gesetzt, und ich tariere aus, wo was wann möglich ist. Es ist ein Ringen danach, endlich wieder das eine zu tun und das andere zu lassen. Dabei nehme ich eine Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem wahr, die atemlos macht. Nicht wenige geraten außer Puste vor Sorgen, Ängsten und Fragen. Zeit ist nötig, um den Puls in gemessene Balance zu bringen.

Unsere Demokratie und unsere Grundrechte sind ein hohes Gut. Der Einsatz zu deren Bewahrung und Sicherung lohnt sich, denn die demokratischen Werte bewähren sich immer wieder aufs Neue. Auf eine nahezu lebensbedrohliche Bewährungsprobe wurden sie gestellt. Für diejenigen, die in ihren Bemühungen um Gesundheitserhaltung einerseits und Eindämmung wirtschaftlicher Schäden andererseits Entscheidungen treffen, gilt es, einen wissenschaftlich fundierten Diskurs zu führen, um heute nachhaltige und wirksame Maßnahmen einzuleiten und deren Konsequenzen für morgen zugleich abschätzen zu können.

Eine Krise, wie wir sie derzeit erleben, ist geprägt von einer enormen Dynamik in nahezu allen Lebens- und Arbeitswelten. Manche Fernsehbilder erschrecken mich, und mir will scheinen, diese Krise hetzt uns nicht nur, sondern wird für das selbige genutzt. Für uns gilt es, auch weiterhin einen behutsamen und achtsamen Umgang miteinander und füreinander zu üben. Die Angst, vermeintliche Sicherheiten zu verlieren, wenn wir gewohnte Verhaltensweisen verändern, ist ein schlechter Berater; ebenso die Versuchung, sich verleiten zu lassen von wie auch immer gearteten Extremen. Für eine weitreichende Verbesserung des gesellschaftlichen, bildungspolitischen und wirtschaftlichen Lebens geht es letztlich um eine Solidarität, die viele Lebens- und Arbeitsbereiche umfasst; es geht um eine Solidarität der respektvollen Achtsamkeit, die nicht allein an das eigene unmittelbare, greifbare Umfeld denkt, sondern insofern „Grenzen-los“ ist.

Mit unserer christlichen Verantwortung stehen wir in der Welt mit ihrem Geschehen, nicht außerhalb von ihr, sodass der christliche Glaube sich als eine Antwort auf existenzielle Fragen unserer Zeit erweisen kann. Mit bedachtem Mut und mutiger Achtsamkeit sollten wir uns den herausfordernden Aufgaben der gegenwärtigen Phase in der Corona-Zeit stellen. Dazu braucht es einen langen Atem, um wirksame Verbesserungen und eine Stabilität der gesundheitlichen, ökonomischen, sozialen und ökologischen Verhältnisse zu erreichen.

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top