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Durchatmen

Markus Krieger (Evangelische Kirchengemeinden Bechtolsheim, Biebelnheim, Ensheim und Spiesheim)

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„Ich will, dass es einfach vorbei ist.“ Mit diesem Seufzer stehe ich nicht allein in der zentimetergenau abgemessenen Schlange. Während ich meine Hände in Alkohol tränke, läuft meine Brille an. Corona nervt. Alles schien weit weg, unter Kontrolle. Das Leben wirkte unbeschwerter, Menschen atmeten auf. Neuinfektionen im Alzeyer Land waren wenig überraschend. Sie zeigen mir: Das dauert noch. Das macht mich manchmal müde, dann wieder traurig, wahlweise auch wütend oder ängstlich. Aber weder Überheblichkeit, noch Wut noch Angst sind jetzt gute Ratgeber. Hochmut verkennt die Wirklichkeit, Wut trübt unseren Blick auf die Nächsten und Angst lähmt. Die christliche Tradition kennt eine weitere Haltung, die wir einnehmen können: die Demut. Sie ist dabei nicht zu verwechseln mit Unterwürfigkeit. Demut ist angesagt, weil sie einerseits bereit ist, sich Höherem zu beugen. Sie erkennt die Grenzen eigner Macht an. Aber sie bleibt darin handlungsfähig und schiebt Verantwortung (oder Frust) nicht auf den scheinbaren Luxus anderer. Sie nimmt Herausforderungen nicht missmutig an, sondern in fröhlichem Gottvertrauen. In dieser Fröhlichkeit kann ich den Realitäten wieder ins Auge blicken. Während ich also die beschlagene Brille trocken reibe, denke ich an den Schriftzug auf meiner modischen Maske: „Durchatmen.“ Das ist es. Noch kein Aufatmen, aber Mut fassen für den nächsten Schritt. Ich bete täglich darum, dass „es alles vorbei ist.“ Aber bis dahin heißt es durchatmen, lächeln und fröhlich ans Werk gehen.

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