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Die Zeit hat nicht stillgestanden

Susanne Schmuck-Schätzel (Evangelisches Dekanat Alzey-Wöllstein) für die christlichen Kirchen in Alzey-Wöllstein und Umgebung

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„Mittlerweile kann er stehen und den Küchenschrank ausräumen. Hoffentlich sehen wir uns jetzt bald einmal.“ Diese Zeilen, zusammen mit einigen Bildern, erreichen mich per WhatsApp. Sechs Großneffen haben mein Mann und ich im vergangenen Jahr geschenkt bekommen. Zuerst wollten wir die jungen Familien nicht mit unserem Besuch überfallen, dann kam der eine oder andere Termin, Weihnachten, eine Krankheit und dann Corona. Und damit konnten wir einander nicht mehr besuchen.

Dafür gingen Briefe und Päckchen hin und her, Bilder und Videos digital. Wenigstens das. Wir haben miterleben dürfen, wie sie in den wenigen Wochen gewachsen sind und jetzt schon erste Schritte machen. Und plötzlich wird einem klar: Das waren und sind doch einige Wochen, eine ganze Zeit im Jahr und im Leben, in der wir einander nicht besuchen können. Die Zeit hat nicht stillgestanden, auch wenn wir manches Mal das Gefühl hatten. Aus Babys wurden Kleinkinder, und wir alle wurden älter. Menschen wurden krank, sind gesundet, hatten Geburtstag oder diamantene Hochzeit, haben das Haus renoviert oder in alten Fotos geblättert. Menschen wurden geboren und andere starben. Und wenn sich auch unsere kleinen Neffen später nur noch durch die Erzählungen ihrer Eltern von diesen Monaten wissen können, werden wir uns alle noch lange daran zurückerinnern: An diese andere Zeit in unserem Leben.

In der Bibel heißt es: Alles hat seine Zeit. Manche Zeit überrascht uns und fordert uns heraus. Das wusste schon der Prediger Salomo, und das erleben wir gerade.

Die Osterhasen haben wir per Post auf den Weg gebracht, vielleicht gelingt es uns ja zu Pfingsten, einen Strauß Pfingstrosen persönlich zu übergeben. Das wäre schön. Vielleicht läuft uns einer von den Sechsen ja schon entgegen. Die letzten Monate gingen eben nicht spurlos an uns vorüber.

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